Formulare Kunst

Förderzweck

300€: Sachkosten/Materialkosten: Fensterfoliendruck, Baumaterial, Recherchematerial, Drucker/Scanner.

500€: Honorare: Übersetzung, Workshop, Vorträge.

200€: Verbrauchsmaterialien: Papier, Toner, Bürobedarf, Lebensmittel, Porto.

Formulare entscheiden über Zukunft und schaffen Realitäten, dennoch hat nicht jede*r beim Ausfüllen von Formularen die gleichen Voraussetzungen: oftmals sind Menschen auf Grund ihrer speziellen Situation oder der Situation, in der sie das Formular ausfüllen müssen dazu gezwungen, ohne Kenntnis des normativen Hintergrundes, der formellen und bürokratischen Sprache oder der Folgekonsequenzen ihre Daten einzutragen. Besonders in Deutschland, wo Formulare essentieller Bestandteil der gesellschaftlichen Organisation sind, führt das Formularwesen häufig zu Ausgrenzung, Stigmatisierung und Entfremdung. Welche Normen, Ausschlussmechanismen und Ideologien werden durch einzelnen Formularen (re)produziert? Und wie können wir mit dem geringen Handlungsspielraum und der Ohnmacht die oftmals durch Formulare ausgelöst wird umgehen?

Formulare Kunst will sich engagiert, kritisch und 'angestellt' mit diesem gesellschaftlichen Verwaltungs- und Organisationsprinzip auseinandersetzten - ein Phänomen, das sowohl Menschen verbindet, indem es sie auf unterschiedliche Art betrifft, als auch trennt, indem es auf individuelle Singularität und Datenidentitäten zurück wirft. Der Fokus wird bei der Umsetzung auf dem künstlerisch-sozialen und partizipativen Charakter des Projektes liegen. Basierend auf der Untersuchung der Funktionsweise von Formularen sowie der Aufdeckung ihres ideologischen Hintergrundes werden wir versuchen, kollektiv andere spielerische, widerständige, poetische, emanzipatorische Strategien und Umgänge zu entwickeln. In einem Zeitraum von zwei Wochen werden wir in einem Projektraum in Wedding (in der Nähe von Bürgeramt und Finanzamt) eine Art Werkstatt/Café einrichten in der nicht das Prinzip der Rationalisierung vorherrscht. Dort soll temporär eine andere Situation geschaffen werden, in der das Ausfüllen von Formularen kritisch und gemeinschaftlich behandelt wird. Drucker, Scanner, Fax, Telefon sowie Info-Materialien stehen zur Verfügung für das gemeinsame und solidarische Ausfüllen von Formulare. In einem Abendprogramm (Workshops, Vorträge, Lesungen, Erzählabende usw.) werden einerseits verschiedene Aspekte des Formulars als Instrument der Verwaltungsherrschaft thematisiert und besprochen und andererseits werden wir das 'Formular' umfunktionieren, zu unser aller Instrument machen. Damit soll eine gemeinsame Produktion von strategischem Wissen und emanzipatorische Umgänge ermöglichet werden.

Die Projektgruppe Formulare Kunst setzt sich zusammen aus dem Kollektiv ongoing project sowie anderen Aktivist*innen, Sozialarbeiter*innen, Wissenschaftler*innen und Künstler*innen aus anderen Initiativen. Zusammengefunden haben wir uns, um mit unseren Kapazitäten, Erfahrungen und (Un-)Fähigkeiten auf den Druck der Bürokratisierung bzw. Formularisierung zu reagieren.

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Ziele des Vorhabens:

- Schaffung einer Situation des Austausches im Hinblick auf Formulare, Behörden, Ämter.

-  Kritische Hinterfragung und Sichtbarmachung von Formularen.

- Gemeinsame Entwicklung emanzipatorischer Strategien im Umgang mit Formularen.

Zielgruppen:

Zielgruppe des Projektes sind alle von Formularen Betroffenen, besonders bereits marginalisierte

Gruppen, die im Hinblick auf die deutsche Bürokratie benachteiligt sind.

Träger:

ongoing project (www.ongoing-project.org)