Die AusErLesenden

Förderzweck

1000€

Mittelverwendung: Öffentlichkeitsarbeit

Zusammen sind auch die Schwachen stark
Menschen mit Behinderungen und Lernschwächen haben sich 2016 durch Privatinitiative zu einem Lesegruppe zusammengefunden. Ihren Namen, Die AusErLesenden, haben sie sich selbst ausgedacht, weil sie mit verteilten Rollen aus den Texten lesen. Da auch ihre Lese- und Sprechkompetenz eingeschränkt ist, muss intensiv geübt werden. Im Vordergrund steht Textverständnis und deutliches Sprechen mit zu Emotionen des Textes adäquaten Betonung. Begleitet werden sie dabei, jeweils zum Stück passend, von professionellen Musikern. Jedes Jahr werden neue Texte ausgewählt. In Zusammenarbeit mit der Gruppe werden die Rollen verteilt und den Fähigkeiten jedes Einzeln angepasst. Dabei bringen sich die Mitglieder in besonderer Weise ein, formulieren um und bringen eigene Ideen ein. Auch die Musik wird in gemeinsamer Arbeit entwickelt und szenisch umgesetzt. So entsteht im Teamwork die Endfassung. Das erste Stück war SCHISCHYPHUSCH, nach einer Erzählung von Wolfgang Borchert über zwei Menschen mit dem gleichen Sprachfehler. Sie behandelt eine vielseitige Art der Behinderung - sowohl seelischer als auch körperlicher Natur. Eine nur vordergründig lustige Geschichte in einer wunderschönen Sprache geschrieben. Im Hintergrund steht der tragische Konflikt: die Sehnsucht des Menschen nach Verständnis und Bindung. Was auch vielen Mitgliedern der Gruppe eigen ist. 2017 wurde das Stück AUSGEGRENZT eingeübt. Tiere und Menschen wurden durch einen Zaun von
einem Gebiet, den sie so lieben, getrennt. Eine Metapher auf gegenwärtige Problematik. Es folgten öffentliche Auftritte. Musikalisch wurden sie dabei begleitet von den Rock´n´Roll Preachers.
Höhepunkt war die Aufführung in einem kleinen Offtheater. Für 2018 kam dem Team die Idee, dass auch andere Menschen dabei Spaß haben könnten. Vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund, die genauso Probleme mit der Sprache und dem Lesen haben. Nach anfänglichem Zögern, wollen an den wöchentlichen Proben auch einige Jugendliche mit ausländischen Wurzeln teilnehmen. So ist eine integrative Gruppe entstanden. Die Planung für ein neues Stück ist angelaufen, um weiter die Lese- und Sprechfähigkeit zu fordern und zu fördern.


Ziele
Das gemeinsame Erleben von Kunst und Kultur schafft Ausdrucksmöglichkeiten für Gefühle und Raum für Austausch und Begegnung für Menschen in ihrer Verschiedenheit.
Verbesserung und Stärkung der Integration und aktiver Teilhabe. Entwicklung von kreativer Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen. Den Mikrokosmos Der AusErLesenden in die Lage zu versetzen, sich verständlicher auszudrücken, ihren Wortschatz zu vergrößern. Diese wichtige Form des Lernens in einem interaktiven Miteinander soll selbstgestellten Anforderungen genügen. Das abstrakte Denkvermögen zu verbessern, indem sie lernen, das Gelesene auch als Metapher für heutige gesellschaftliche Probleme zu erkennen. Zugang zur Literatur zu ermöglichen. Es soll jungen Menschen helfen, sich als ein aktives und kompetentes Wesen ernst zu nehmen. Und den Zuschauern einen Einblick in die Gefühlswelt ihrer Mitmenschen mit Besonderheiten zu gewähren und ihre Talente und Fähigkeiten zu erkennen. Vorurteile und Barrieren in den Köpfen abzubauen. Musik fördert die Konzentration und Aufnahmebereitschaft und hat außerdem einen symbolischen Charakter - Inklusion. Außerdem werden Voraussetzungen geschaffen für öffentliches Auftreten bei diversen Veranstaltungen wie Aufführungen im Museum Kesselhaus, bei verschiedenen sozialen-, kirchlichen- Institutionen, Jugend- und Senioreneinrichtungen sowie bei Tag der Inklusion, Tag der Familie, der Vielfalt und Toleranz und in diversen kleinen Offtheatern. Was das Selbstbewusstsein enorm steigert.
Nach diesen ersten zwei Jahren kann festgestellt werden, dass erkennbare Fortschritte in der Deutlichkeit der Aussprache zu verzeichnen sind. Ihr Selbstwertgefühl ist gestiegen. Es befähigt sie zur
besseren Teilhabe an ihrem alltäglichem Leben, da sie selbstbewusster auftreten.