The Glass Project

Förderzweck

1000€

Mittelverwendung: Workshopleitung Aufwandsentschädigung, Arbeitsmaterial, Ofen-Miete etc.

Waren Sie schon mal in einem Obdachlosenhaus?

Das Obdachlosenwohnhaus Lübecker Str. 6 in Berlin-Moabit ist ein freundlicher Ort. Seine 74 Bewohner sind alleinstehende Menschen im Alter zwischen 18 und 71 Jahren. Alle haben viel Tragisches erlebt, bevor sie in das Haus gefunden haben. Manche sind nur auf einer kurzen Durchreise da, einige andere schon seit der Eröffnung vor 11 Jahren. Die Situationen dieser Menschen sind oft so verfahren, dass es viel Kraft kostet, einen ganz einfachen Tagesablauf zu meistern.

Hausleiterin Frau Evelin Brand füllt dieses Haus sehr viel guter Energie. Sie ist sehr menschlich, sie lächelt viel, mit ihr kann man über alles reden. Mit ihr kann man, wie man sagt, Pferde stehlen. Wir können von Glück sprechen, sie als engagierte Projektpartnerin gewonnen zu haben.

Wie entstand die Idee zu Glas-Workshops mit Obdachlosen?

The Glass Project e.V. hat im Sommer 2017 das erste Kunst-Projekt „GlasGrenze“ im Obdachlosen-Wohnhaus durchgeführt. Die erste Reihe der Glas-Workshops erwuchs in dieser Zeit aus dem Projekt heraus und wurde von den Obdachlosen mit Begeisterung wahrgenommen. Nach dem Ende des Kunst-Projekts stellten wir fest, dass es weiterhin eine große Nachfrage nach den Workshops gibt. Im November 2017 haben wir die Workshops wieder wöchentlich im Haus eingeführt. Die Nachbarschaft ist ebenfalls eingeladen mitzumachen. Die Teilnehmer*innenzahl wächst kontinuierlich.

Internationale bildende Künstler*innen stellen in den Workshops verschiedenste Möglichkeiten der Glas-Verarbeitung vor. Gemeinsam wird geschnitten, geklebt, poliert, gemalt, kombiniert, Mosaike angefertigt, beleuchtet, aufgehängt, werden Skizzen erstellt und Ideen entwickelt. Wir schmelzen Glas im professionellen Glasofen der Bildhauerwerkstatt des BBK in Wedding und machen Glasmalerei in der Gemeinschaftsküche des Obdachlosen-Wohnhauses.

Was bringen die Glas-Workshops?

Die Ergebnisse und Erkenntnisse übersteigen unsere Erwartungen bei weitem:

- Erstaunliche Arbeitsmotivation: Vier-Stunden-Workshop oft ohne Pause – auf eigenen Wunsch.

- Strikte Alkohol-Abstinenz an den Workshop-Tagen: mindestens bis zum Ende des Workshops.

- Eigeninitiative: Zwischen den Workshops arbeiten die Teilnehme*innen selbständig weiter.

- Therapeutische Wirkung: Eine deutlich hellere Stimmungslage ist spürbar. Die Obdachlosen sind (zu Recht!) stolz auf sich. Die Selbstwahrnehmung hat sich deutlich verbessert.

- Das erste Mal seit langer Zeit gibt es Zukunftspläne: „Ich kann für meine Etage einen großen Aschenbecher herstellen.“ „Ich weiß, wo ganz schöne, große, grüne Flaschen liegen. Ich mache einen Kerzenständer daraus. Mit Glitzer!“

- Die Nachbar*innen bewundern die Kunstwerke und kommen ins Gespräch mit deren Schöpfern.

Das Obdachlosen-Wohnhaus wird temporär zum Ausstellungsort. Im Sommer 2018 nehmen wir wieder am Kunstfestival „Ortstermin 2018“ teil. Titel des neuen Projektes ist „Das Element der Veränderung“. Die Bewohner*innen des Obdachlosen-Wohnhauses sind wieder unter den teilnehmenden Künstler*innen und heißen gemeinsam mit den neun renommierten, internationalen Künstler*innen die Besucher*innen der Ausstellung willkommen.